Tagebuch – Truppmannausbildung

11.08.2017 – Es geht los

17:00Uhr Treffpunkt an der Wache. Umziehen, ab ins Auto und auf nach Dessau. Für Annett Hoyer, Enrico Bester, Maik Hoßbach, Bernd Knuth und mich (Norman Specht) beginnt die Ausbildung zum Truppmann. Nach einigen „Viel Spaß“ und „Viel Erfolg“ ging es mit dem MTF Richtung Dessau (man möchte nicht am ersten Tag zu spät erscheinen).

v.l. Bernd Knuth, Norman Specht, Enrico Bester, Annett Hoyer, Maik Hoßbach
18:00Uhr wir kommen am Amt für Brand-, Katastrophenschutz und Rettungsdienst an und betreten die Feuerwache. Raum suchen, Raum finden, Sitzplatz suchen, Sitzplatz finden und einnehmen. Das wäre schon mal geschafft. Nach einer kurzen Vorstellungsrunde geht es auch schon los: Brandschutzgesetz. Aufbau und Arten der Feuerwehren, Rechte und Pflichten eines Feuerwehrmannes, Verhalten im Straßenverkehr und eine kurze Pause von 10min (wir wollen doch fertig werden). Aber keine Angst. Um nicht alles mitschreiben zu müssen, gibt es vorher ein umfangreiches Manuskript, in dem alles nochmal genau erläutert wird.

21:00Uhr Fertig … für heute. Mit dem MTF geht es nach Hause. Da stört es auch nicht zwei Kameraden in Dessau abzusetzen, die leider keinen MTF ihr Eigen nennen durften.

21:30Uhr Zuhause. Jetzt heißt es nur noch schnell etwas essen und ab ins Bett, denn morgen heißt es 6:00Uhr aufstehen, um 7:00Uhr an der Wache sein und auf in die nächste Runde, die um 8:00Uhr beginnen soll.

12.08.2017 – Der erste volle Tag

06:00Uhr War das Aufstehen gestern auch schon so schwierig? Egal erstmal den Kaffee wie jeden morgen trinken und dann fertig machen, denn um 7:00Uhr treffen die Kameraden ein und wollen nach Rodleben.

06:58Uhr Die Kameraden sind da. Pünktlich wie die … Feuerwehrmänner.

08:00Uhr Wieder in Dessau. Heute geht es gleich los mit den UVV (Unfallverhütungsvorschriften), Gefahren am Einsatzort, Verhalten bei Unfällen und der Versicherung für Feuerwehrmitglieder, die Persönliche Schutzausrüstung (PSA) und was es dabei zu beachten gilt.

10:00Uhr Kleine Pause. Essen, Trinken und was man sonst noch machen müsste.

10:30Uhr Jetzt mal was nützliches. Es steht die Erste Hilfe an. Alle passen hier ganz besonders auf und stellen Fragen. Bei so einem wichtigen Thema ist das nur verständlich. Es ging los mit allen Arten von Verletzungen: Brüche, Verbrennungen, Amputationen, etc. und was bei solchen Verletzungen zu tun ist. Geübt wurde auch fleißig. Vom Vorfinden/Ansprechen der Person, über die Überprüfung der Atmung, die stabile Seitenlage bis hin zur Wiederbelebung war alles dabei. Und wer jemals 4 Runden Wiederbelebung (30x Herzmassage, 2x Beatmung) geleistet hat, weiß wie geschafft man danach ist.

15:30Uhr Wir sind fertig. Aber einen kleinen Abstecher in die Fahrzeughalle dürfen wir noch wagen. Interessant, was alles auf einen Rettungswagen der Feuerwehr verladen ist.

16:30Uhr Zuhause. Schnell noch Duschen, Hemd, Hose und Jackett angezogen und weiter geht es. Zufällig finden heute auch noch die Einschulungen statt und zufällig sind wir bei einer eingeladen.

13.08.2017 – Löschen? Hab ich schon mal gehört.

Wer glaubt, dass man zum Löschen nur einen Schlauch braucht, hat sich gewaltig getäuscht.

08:00Uhr Los geht es mit den Gerätschaften, Armaturen, Schläuchen, etc. Saugkorb, Standrohr, PFPN, Kupplungsschlüssen, Unterfluhrhydrantenschlüssel, Reduzierungsstück, Sammelstück, Verteiler, Zumischer, A-Schlauch, B-Schlauch, C-Schlauch, D-Schlauch und deren Längen und Durchmesser, Strahlrohre um mal ein paar der Kandidaten zu nennen. Das muss man schon kennen, bevor der erste Tropfen Wasser auf das Feuer trifft. Kleine Überraschung, da kommt noch mehr: Verschäumungszahl, Brandklassen, Feuerlöscherarten, Schlaucharten und viele viele Dinge mehr.

11:30Uhr Es geht wieder in die Fahrzeughalle. Wir werden in zwei Gruppen geteilt. Die eine Gruppe darf die Armaturen in der Natur begutachten, die andere übt das richte Aus- und Abrollen von Schläuchen. „Achtung Schlauch!“ rufen und hoffen, dass es diesmal klappt und der Schlauch sich bis an das Ende ausrollt. Danach darf man den Schlauch auch wieder doppelt aufrollen und von vorn beginnen. Wem die etwas kleineren C-Schläuche (Durchmesser 42cm, Länge 20m) zu leicht fallen, der darf gern auch einen B-Schlauch probieren (Durchmesser 75cm, Länge 20m). Es ist gar nicht so einfach diese mit der Hand zu greifen, um sie dann auszuwerfen.

13:30Uhr Einheiten im Löscheinsatz. Nicht jeder bekommt gleich ein Strahlrohr in die Hand gedrückt und darf losrennen um ein Feuer zu löschen. Zunächst muss geklärt werden, was eine Gruppe ist, wie sich diese zusammensetzt und welcher Trupp innerhalb der Gruppe welche Aufgabe übernimmt. Gruppenführer, Melder, Maschinist, Angriffstrupp, Wassertrupp, Schlauchtrupp. Alle sind dabei und alle haben ihre Aufgaben zu erledigen, wenn der Befehl vom Gruppenführer kommt. Klingt einfach, ist es aber nicht ganz. Je nach dem, was in dem aus bis zu 7 Einheiten langen Befehl enthalten ist, übernehmen die Trupps durchaus unterschiedliche Aufgaben. Im Falle eines Falles muss das einfach sitzen.

16:00Uhr heißt es
Hefter im Rucksack,
Chipstüte auf dem Tisch,
Zukünftige Truppmänner,
zum Lernen,
mit Stift und Papier (liniert),
auf der Couch,
über die Dusche,
Vor!

Nächste Woche muss das sitzen, da wir dann praktisch üben wollen.

18.08.2017 – Leitern und Knoten

Heute geht es nochmal ruhig zur Sache. Leitern und Knotenkunde muss gelernt werden. Der Feuerwehr steht mehr als nur eine Leiter zur Verfügung. Alle Leitern haben unterschiedliche Längen, Rettungshöhen und Verwendungen. Ja man kann eine Leiter auch für etwas anderes benutzen als zum Klettern. Dank unserer Unterlagen ging das relativ schnell von der Hand und wir konnten in die Werkstatt zur Knotenkunde.

Ganze neun Knoten muss ein Feuerwehrmann kennen. Welche Eigenschaften besitzen diese Knoten und wofür werden diese Verwendet. Natürlich wurde auch praktisch geübt. Jeder Knoten wurde gestochen, gelegt, probiert, untersucht und wieder entknotet. Wer weiß wofür wir das noch brauchen werden …

19.08.2017 – Praktisch praktisch

Knoten brauchen wir genau heute, denn es steht Praxis auf dem Lehrplan. Unser Kurs wurde in zwei Gruppen geteilt. Die eine Gruppe trainierte auf dem Löschfahrzeug der Feuerwehr Roßlau, die andere auf unserem neuen TSF-W der Abteilung Neeken. Ich war in der ersten dabei. Die Gruppe wurde wieder in die einzelnen Trupps (Angriffs-
, Wasser- und Schauchtrupp), den Maschinisten, Melder und Gruppenführer unterteilt. „Aufsitzen!“ hieß das Zauberwort, und jeder setzt sich bitte auf seinen richtigen Platz. „Absitzen und hinter dem Fahrzeug aufstellen!“ ertönte es vom Gruppenführer und jeder stellte sich brav an seinen Platz, der für seine Funktion vorgesehen ist.

„Fallmantelhydrant in 30m dort
Lage der Verteilers in der Mitte des Hofes
Angriffstrupp
zur Brandbekämpfung
mit 1. Rohr
vor die erste Fahrzeughalle
über den Hof
Vor!“

Jeder wusste was er zu tun hatte … dachten wir. Natürlich macht man gerade hier eine Menge Fehler, wenn man diese Übung noch nie gemacht hat. Also hieß es „Zusammenpacken!“, Gruppen neu einteilen, wieder „Aufsitzen!“ und das Ganze in anderer Form wiederholen. Im Brandfall kann man schließlich nicht lange überlegen oder diskutieren wie man am besten vorgeht. Geübt wurde die Wasserentnahme am Fallmantel- und Unterfluhrhydranten und am offenen Gewässer, das Vorgehen mit dem ersten Rohr oder auch mit erstem und zweitem, mit Schwerschaumrohr, aber auch unterschiedliche Szenarien wie Brandbekämpfung Innen und Außen. Alle diese Möglichkeiten beinhalten mitunter unterschiedliche Aufgaben der einzelnen Trupps und das will gelernt sein.

Nach gefühlten 100. mal Absitzen, Aufbauen, Abbauen und wieder Aufsitzen, zeigte sich unser Ausbilder doch recht zufrieden und entließ uns in den Feierabend. Nach einem kurzen Zwischenstopp an der Tankstelle, um unseren TSF-W zu tanken, konnten wir Zuhause alles nochmal besprechen und Erfahrungen austauschen, sowie einige Knoten wiederholen. Meine Blasen an den Füßen freuen sich schon jetzt auf den hoffentlich ruhigen und theoretisch angelegten Sonntag.

20.08.2017 – Fahrzeuge und Erstversorgung

Nachdem wir gestern uns alle einen Muskelkater zugezogen hatten, ging es heute wieder ruhiger zu. Heute wurden uns zunächst die Fahrzeuge der Feuerwehr vorgestellt. Da gibt es auch mehr als nur eins. Löschgruppenfahrzeuge, TSF-W, Einsatzleitfahrzeug, Rettungswagen und andere. Natürlich durften wir die Fahrzeuge auch in der Fahrzeughalle betrachten.

Anschließend ging es um die medizinische Erstversorgung. Stich- und Schnittwunden, Schock, Hitzeschlag und Vergiftungen sind ein paar der Probleme die es zu behandeln gilt. Interessant war auch die Verwendung eines AED (Defibrilator), den man eventuell schon mal in einem Kaufhaus gesehen hat.

25.08.2017 – Technische Hilfe

Zu den Aufgaben der Feuerwehr gehört nicht nur das Löschen von Feuer, sondern auch die „Technische Hilfe“. In der kurzen Runde ging es um die verschiedenen „einfachen“ Werkzeuge die zum Einsatz kommen und für was und wie man diese verwendet. Anschließend eine kleine Präsentation der Werkzeuge in der Fahrzeughalle.

26.08.2017 – Technische Hilfe die 2.

Technische Hilfe die Zweite steht auf dem Programm. Gezeigt wurden uns:

Leitern: Vom Aufstellen bis hin zum Abbauen. Natürlich wurde auch das steigen geübt. Gut, eine Leiter kann vermutlich jeder erklettern, aber wir reden hier von einer 8,40m langen Leiter die an ein Fenster im 2. Obergeschoss (ca. 7m) gelehnt ist. Wenn man da nicht schwindelfrei ist… Aber alle haben es geschafft (hoch und runter).

Retten aus einem Fahrzeug Das ist schwieriger als man denkt. Drei Arten der Rettung gibt es, alle wurden vorgeführt und geübt. Einfach ist das „Herausziehen“ aus einem Fahrzeug, was für den Patienten jedoch nicht besonders schonend ist. Dann gibt es da noch die schonende Variante, in der der Patient so wenig und komfortabel wie möglich auf die Trage bewegt wird. Ein Mischung aus beiden stellt das SpineBoard da, da es sowohl für den Patienten „angenehm“, als auch für den Rettenden einfacher geht.

Rettung und Selbstrettung mittels Seil Was tun, wenn der letzte Ausweg aus einem brennenden Gebäude durch das Fenster ist und keine Leiter in der Nähe? In diesem Fall bleibt nur noch das Abseilen mittels Feuerwehrleine. Hier kommen auch wieder die schon oft geübten Knoten ins Spiel. Mastwurf um das Seil zu befestigen, Spierenstich um diesen zu sichern, Halb-Mastwurf am Tragegürtel um sich abzuseilen. Am Ende durften die Mutigen sich ganz weit aus dem Fenster lehnen und „abfahren“. Natürlich zusätzlich durch einen erfahrenen Feuerwehrmann gesichert.

27.08.2017 – Tag der Entscheidung

„Na schlecht geschlafen?“ Das war heute morgen die am meisten gestellte Frage. Einige Kameraden haben noch bis in die Nacht gelernt. Heute ist es soweit, die Prüfung steht an.

Aber bevor wir auf den Prüfstand kommen, ist noch Zeit für ein paar Fragen und praktische Übungen. Vier Gruppen, vier Stationen. Es durften Scheinwerfer aufgebaut, Unfallwagen abgesichert, Hebekissen aufgeblasen und Werkzeug für die technische Hilfe begutachtet werden. Danach Pause.

Die Spannung steigt und steigt, doch dann ist es soweit. Ein Fragebogen mit 60 Fragen zum Ankreuzen und ausreichend Zeit. Erste Aufgabe: „Deinen Namen auf das Blatt schreiben.“
Die Fragen waren nicht sonderlich schwer und der gesamte Lehrgang hat uns gut darauf vorbereitet.

Anschließend eine praktische Prüfung! Wir sind wohl einer der ersten Lehrgänge bei dem diese Art der Prüfung vorgenommen wird. Auch kein sonderliches Hindernis. Schlauch aus- und aufrollen, Standrohr setzen und das C-Mehrzweckstrahlrohr erklären. Fertig. Das war es auch schon.

Zurück im Prüfungsraum erwartet uns ein gut gelaunter Ausbilder mit einem Lächeln im Gesicht. „Keine Panik, alles ist gut.“ Auf Wunsch wurden nochmal die Fragebögen ausgetauscht. Entweder war die Vorbereitung gut, oder wir haben gut gelernt. Es waren kaum bis keine Fehler dabei. Das heißt wiederum:

Bestanden

Uns allen fällt ein Stein vom Herzen und wir freuen uns auf Zuhause. Aber der Tag ist noch nicht vorbei. Heute findet außerdem noch der Umzug zum Schifferfest in Roßlau statt, bei denen einige der frisch gebackenen Feuwehrmänner und Feuerwehrfrauen mitgelaufen sind.

Anschließend wurde noch ein wenig in der Wache über den heutigen Tag und das sehr positive Ergebnis geredet, diskutiert und gelacht.

Ende

Ich hoffe ich konnte mit diesem kleinen Tagebuch einen Einblick in die Truppmannausbildung gewähren. Vielleicht hat der Eine oder Andere nun Lust bekommen bei der Feuerwehr mitzuwirken. In diesem Fall stehen wir euch gern mit Rat und Tat zu Seite.